Logo - Pfarre Wattens

Pfarre
Wattens

Mitglied des Seelsorgeraums
FritzensVoldersWattens

Marienkirche

Laurentiuskirche

Sägekirche

Marienkirche - Neue Pfarrkirche

Zur Baugeschichte

Im Zuge der wachsenden industriellen Entwicklung und Bevölkerungszunahme nach dem Krieg sollten im westlichen Ortsteil neue Wohnsiedlungen entstehen. So wuchs der Wunsch, gerade hier im Höraltfeld, im Zentrum der möglichen Erweiterung von Wattens, auch eine neue, große Kirche zu errichten, die mit der neuen Siedlung dann eine städtebauliche Einheit bilden sollte. "Bewußt als Wohnung Gottes, als geistiges Zentrum, das in den ganzen Ort ausstrahlt, haben wir die Kirche mitten in das Wohngebiet gestellt." Und, wie der damalige Pfarrer Josef Holaus in seinem Grußwort zur Weihe-Festschrift weiter schrieb, "war der äußere Anlaß unseres Kirchenbaues … gwiß die Tatsache, daß die altehrwürdige St.-Laurentiuskirche einfach zu klein wurde."

Der Gedanke an eine neue Kirche war schon Jahrzehnte vorher entstanden. Doch erst jetzt, im Jahr 1953, konnte er realisiert werden. Das "Fundament" dafür schuf die Gründung des Kirchenbauvereins unter der Patronanz des damaligen Seniorchefs der Swarovski-Werke, Kommerzielrat Daniel Swarovski. Vier Tage nach der Gründungsversammlung starb der verdienstvolle Pfarrer Franz Zoller; sein Nachfolger Pfarrer Josef Holaus führte das Vorhaben konsequent weiter. Am 22. Februar 1954 fiel der einstimmige Beschluss, die neue Kirche der Unbefleckten Empfängnis Mariens zu weihen. Noch im Herbst des gleichen Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen und am 8. Mai 1955 legte der damalige Apostolische Administrator von Innsbruck-Feldkirch, Bischof Paulus Rusch, den Grundstein.

Bauherr war der Kirchenbauverein der Pfarre Wattens, die Bauarbeiten wurden nach Plänen der Innsbrucker Architekten Dipl.-Ing. CHARLOTTE und KARL PFEILER in den Jahren 1955-1958 ausgeführt. Die feierliche Weihe der neuen Kirche erfolgte am Christkönigsfest, dem 26. Oktober 1958. Zur künstlerischen Ausgestaltung wurden ausschließlich bekannte heimische Künstler herangezogen.

Der Kirchenausbau

Die Neue Pfarrkirche auf dem großzügig gestalteten Marienplatz zeigt sich von außen als rechteckige Langhauskirche unter einem einheitlichen Satteldach und mit hohem Südturm. Sie ist eingebunden in das Bauensemble mit dem südlich angebauten, kreuzgangartigen Arkadenhof, Pfarrhaus, Pfarrsaal und Mesnerhaus. Aufgelockert wird die hier nach Osten gerichtete Kirchenfassade durch das große stabgegliederte Emporenfenster, das mit dem ebenfalls in Stäbe aufgelöstes Glockenhaus des Turmes korrespondiert.

Bei den sechs Glocken der Marienkirche, die am 29. Juni 1958 geweiht wurden, legte man Wert darauf, dass sie mit den Glocken der Laurentiuskirche klanglich harmonieren (Disposition der neuen Glocken: A - H - D - Fis - a - h). Die größte Glocke (Ton A, 3.855 kg) wurde von der Gemeinde gestiftet und ist dem Andenken Daniel Swarovski gewidmet.

Ein kunsthistorischer und spiritueller Rundgang

Bevor wir die Kirche betreten, widmen wir uns zunächst den drei mit Reliefs der Künstlerin ILSE GLANINGER versehenen Bronzetüren, die sich entsprechend dem Patrozinium der Kirche ganz auf Maria beziehen. Das mittlere zeigt Maria als Königin der Märtyrer (Aufschrift "Regina Martyrum"). Die bereits in den Himmel aufgenommene Muttergottes beugt sich einem Engel zu, während unten die drei römischen Märtyrer Laurentius mit dem Feuerrost, Sabina und der von Pfeilen durchbohrte hl. Sebastian zu erkennen sind. Die Themen der seitlichen Reliefs sind links Maria als Trösterin der Betrübten und rechts Maria als Ursache unserer Freude.

Der Kirchenraum und sein zentrales Thema

Man gelangt zunächst in den durch Glastüren (von MARGARETA GABRILLI, 1959) geschlossenen Windfang, an den sich links die Beichtkapelle und rechts die Taufkapelle anschließen.

Das geräumige, einschiffige, hallenartige Kircheninnere wirkt modern, offen und klar. Bewusst dachten die Architekten bei Grund- und Aufrissplan an "eine freiere Anwendung der frühchristlichen Basilika". Das Kirchenschiff gliedern grüne Marmorpfeiler, die sich im offenen Dachstuhl fortsetzen und im unteren Bereich als Freipfeiler dienen, da sich der Raum hier seitenschiffartig erweitert. Große Farbglasfenster im Süden und schmale farbkräftige Lichtstreifen im Norden tauchen das Langhaus in ein je nach Sonneneinstrahlung mehr oder weniger gedämpftes, aber farbig-meditatives Licht, dem die großen funkelnden Kristall-Leuchten einen eigenen Akzent verleihen.

Der dreieckig schließende eingezogene Triumphbogen trennt klar den durch Stufen erhöhten, weiß getünchten und in gleißend hellem Tageslicht erstrahlenden Altarraum (Presbyterium). Hier spielt sich am Zelebrationsaltar (neuer Volksaltar seit 1982) das zentrale Geschehen der Messfeier ab.
Darüber schwebt, vor dem Hintergrund der schmalen, durch eigene Fenster zusätzlich erhellten und wiederum dreieckig (Symbol: Hl. Dreifaltigkeit) schließende Apsis die vom Tiroler Künstler FRANZ STAUD geschnitzte Statue der Maria Immaculata im Strahlenkranz. Zwei Engel halten die für das Thema bezeichnenden apokalyptischen Attribute Mond und Schlange, letztere als Symbol für das überwundene Böse, das Freisein von Sünde. Über dem Haupt Mariens schwebt der Sternenkranz, hier mit dem Kreuz als Zeichen für das christliche Erlösungswerk. Gleichsam im Raum schwebend lässt sich die mit meisterhaftem Einfühlungsvermögen geschaffene Marienplastik im Blickfeld der Gemeinde als "Bindeglied zwischen Diesseits und Jenseits" begreifen.

Einrichtung im Altarraum

Unter der Statue der Kirchenpatronin steht der noch zur ursprünglichen Einrichtung (1958/60) gehörige Altartisch mit Tabernakel, begleitet von je drei Kerzenleuchtern, geschaffen in der Werkstätte der Gold- und Silberschmiede SCHNEIDER-RAPPEL in Schwaz.

Als Zelebrationsaltar dient seit 1982 der auf Initiative von Pfarrer Josef Purtauf angeschaffte Volksaltar. Dieser von ILSE GLANINGER entworfene "Kreuzaltar" (Ausführung Gießerei Brustolin, Verona) wurde stilistisch so gestaltet, dass er mit den von der gleichen Künstlerin stammenden Ambonen, Kreuzwegstationen und der Kommunionbank eine harmonische Einheit bildet. Als weitere Ergänzung zu ursprünglichen Einrichtung und als Gegenstück zum Volksaltar ("Tisch des Brotes") kam 1995 der neue Ambo ("Tisch des Wortes") hinzu.
Aus der Erbauungszeit der Kirche stammen noch die beiden seitlichen, aus Bronze gearbeiteten Ambonen (Ort der Lesung) mit Reliefs. Links zeigen sie die vier Evangelisten mit den zugehörigen Attributen Markus (Löwe), Matthäus (Mensch/Engel), Lukas (Stier) und Johannes (Adler), rechts als alttestamentarische Gegenüberstellung die Propheten Micha und Jesaja, ferner Moses und Daniel (Löwengrube). Die Kommunionbank schmücken Emaillearbeiten mit christlichen Symbolen, Werke von ILSE GLANINGER und MARGARETA GABRIELLI, 1959.

Einrichtung im Kirchenschiff

Die beiden Seitenaltäre zieren von FRANZ STAUD geschnitzte Statuen jener Heiligen, denen diese Altäre gewidmet sind: links der hl. Joseph zwischen zwei Arbeitern - ein Bezug auch zum Industriestandort Wattens.


Die Kanzel besitzt am Korb kupfergetriebene Relieftafeln von SEPP BAUMGARTNER aus Schwaz, auf denen Christus und die 12 Apostel dargestellt sind.

Sämtliche Glasgemälde stammen von FRED HOCHSCHWARZER aus Schwaz bzw. Jenbach (Ausführung: Tiroler Glasmalerei und Mosaikanstalt, Innsbruck). Das siebenteilige Emporenfenster über der Orgel zeigt musizierende Engel um eine zentrale symbolische Sonne. Auf Maria sind thematisch die Glasfenster der Seitenschiffe bezogen. Die dargestellten Symbole sind Anrufungen Mariens aus der Laurentarischen Litanei.
Eindrucksvoll dem jeweiligen Ort und seiner Bedeutung angepasst sind auch die Fenster in den eingangs erwähnten Nebenkapelle: in der Beichtkapelle Verlorener Sohn, in der Taufkapelle Taufe Christi und Pfingstwunder; hier steht auch das Taufbecken mit einem reliefverzierten Deckel (Sündenfall, Taufsegen, Eingang in das Himmelreich) von SEPP BAUMGARTNER, 1958.


1960 wurden an der Nordwand fünf Sandsteinreliefs mit christlichen Symbolen angebracht, wiederum Werke von ILSE GLANINGER (Stiftung der Gemeinde Wattens, dem Gedenken an Kommerzialrat Alfred Swarovski gewidmet). Sie zeigen von links nach rechts: Christussymbole Lamm Gottes und Fisch, Hl. Geist, eucharistische Symbole Brot und Wein. Von der gleichen Künstlerin stammen auch die Kreuzwegreliefs an den Seitenwänden.


Zwei ältere Ausstattungsstücke in der Kirche sind rechts eine Schnitzfigur des Gekreuzigten, links gegenüber eine spätgotische Beweinungsgruppe Maria zwischen Johannes und Maria Magdalena (frühes 16. Jh.)


Auf der Orgelempore steht die 1958 gebaute Orgel von HANS PIRCHNER (3 Manuale und Pedale; Orgelbauanstalt Karl Reinisch Erben, heutige Fa. Orgelbau Pirchner, Steinach am Brenner).

Magnificat-Kapelle - Unterkirche

Der bereits im Zuge der Erbauung der Pfarrkirche unter dem erhöhten Chor eingerichtete schlichte Kapellenraum besitzt mit dem über die gesamte Längswand führenden Mosaik von MAX SPIELMANN (1906-1984) zum Leben Jesu eines der bedeutendsten Zeugnisse moderner Sakralkunst in Tirol. Aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums der Pfarrkirche erfuhr die Unterkirche eine Neugestaltung. Sie folgt der Idee, dass sich der neu gebildete Innenraum schon aus dem Weg zur Kapelle entwickelt (Planung: Architektenbüro Illmer & Tautschnig, Innsbruck)

Eine von Kindern der Pfarre (Grafik: Kornelia Probst) in hoher künstlerischer Qualität erarbeitete Bilderfolge zu den Versen des Magnificat säumt als Glaspaneel-Wand den Weg in der Kapelle und setzt sich im Inneren fort, wo sie in einer U-förmigen Schwingung den liturgischen Versammlungsraum entstehen lässt. Durch Drehung der ursprünglichen Raumachse ist dieser nun auf das ehemals seitliche Oberlicht hin orientiert, das über die gesamte Länge der neuen Stirnwand den Raum mit Tageslicht erfüllt. Zugleich erlaubt die quereckige Anordnung des Raumes eine zentrale Aufstellung des Altares im Sinne der liturgisch-theologischen Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils. Eine Geborgenheit vermittelnde, in der Materialwahl freundliche und warme Raumatmosphäre nimmt auf die gegenwärtigen pastoralen Bedürfnisse der Gemeinde Bedacht.

Am 29. Juni 2008 wurde die "Magnificat-Kapelle" feierlich eingeweiht.


Quelle: Die Kirchen von Wattens in Tirol (2008)